Montag, 24. Dezember 2012

Ausflug ins Wäscheviertel Mumbais

Heute fuhren wir ÖV, wie es sich für Schweizer gehört, und aus lauter Gewohnheit lösten wir ein 2.Klass Billett, obschon die Frau zwei Mal nachfragte, ob wir wirklich 2. wollen... Das Retour Ticket kostete gerade mal 15 Rp. Nun noch den richtigen Zug erwischen und los ging die Abenteuerfahrt mit offenen Türen und vergitterten Fenstern. Die grosse Menge von Handgriffen an der Decke lässt erahnen, wie das in dem Zug zu Stosszeiten zu und her geht.



Nachdem die eine und andere Haltestelle jedoch ohne Halten des Zuges vorbei geflogen war, studierten wir, ob ein rausspringen bei unserem Bahnhof wohl realistisch wäre, denn dort verlangsamte er jeweils sein Tempo. Ich fand das zu gefährlich - nicht gerade abenteuerliche Seite meinerseits. Wir hatten tatsächlich den Schnellzug erwischt und fuhren zu weit. Henu, dafür konnten wir einen Blick auf die Dharavi's Gleis Slums aus "Slumdog Millionaire" werfen - vor dieser Armut vergassen wir den Fotoapparat zu zücken. Schätzungsweise 1 Million Menschen bewohnen die Gegend. Slums haben wir ja schon in verschiedenen Teilen dieser Erde gesehen, aber dass Leute zwischen Gleisen ohne Dach über dem Kopf leben, war für uns unvorstellbar und der Anblick enorm beelendend.

Zurück zu unserem Vorhaben: Beim Zug retour schauten wir auf den Hinweis "local", der wohl bei jeder Station halten sollte. Dies klappte. Richtige Station erreicht, rausspringen beim Verlangsamen des Zuges, da die neuen Passagiere schon aufspringen wollten beim Einfahren des Zuges, ziemliche Action, da der Zug nur ganz kurz hält. Und ich dabei einzige Frau - für diese hat es nämlich spezielle Frauenwagen im Zug.



Ein paar Schritte neben dem Bahnhof lag die Wäscherei.










Ob die wieder heraus finden, wer welches Kleidungsstück abgegeben hat? Ja, werden sie! Die Inder haben verschiedene extrem gut funktionierende Wirschaftszweige aufgebaut, da kann man nur staunen. Ein anderer ist nämlich darauf spezialisiert, Esspackete von Frauen ihren Ehemännern an deren Arbeitsort zu bringen und das leere Gefäss danach wieder nach Hause bringen - jeden Tag werden von ca. 5000 Dabbawallas (Essensträger) 200 000 Essen eingesammelt und in ganz Mumbai verteilt, ohne dass sie lesen können und es finden kaum Verwechslungen statt.
Dass die Arbeit in dieser Wäscherei kein Zuckerschlecken ist, ist offensichtlich, aber ihr Glaube sagt, dass sie dafür geboren sind und wenn sich sich Mühe geben werden sie im nächsten Leben eine Kaste höher geboren.
Die Zugfahrt zurück gelang uns schon wie Profis, waren aber immer noch die einzigen Europäer.
Eindrücke auf dem Spaziergang zurück zum Hotel:




1 Kommentar:

  1. Wenn ich dies gewusst hätte ... hätte ich unseren Wäschekorb auch mitgegeben ... :-)

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